Über den Wolken

Mit Abgeschiedenheit kannten wir uns nun aus. Aber DAS war "Abgeschiedenheit deluxe" - 

Berge, Wiesen, Köfelguter Wein und zwei Familien auf fast 1.400 Metern Höhe. Blicke in endlose Täler und auf schneebedeckte Bergspitzen. Untermalt von Kuhglocken und leisem Gackern der Hühner. Kleine wattige Wolkenformationen, die für einige Stunden den Blick auf die Vinschgauer Dörfer versperrten. Ein Bild, wie aus einem Heimatfilm geschnitten. 

 

Dabei gestaltete sich der Start alles andere als romantisch. Sieben Kilometer Serpentinen vom Feinsten mit zwei schreienden Kindern als Abschluss einer zehnstündigen Fahrt quer durch Deutschland, Österreich und Norditalien. Noch nie war der Abgrund so nah und die Straße so schmal. Jede Kurve ein Stoßgebet "Bitte kein Gegenverkehr!" Insbesondere bei Einheimischen schien das Risikoempfinden gemindert bis nicht vorhanden - und es waren so gut wie keine Touristen, die sich auf den Trumsberg verirrten.

 

Lange 30 Minuten später dann endlich am Ziel: Grüss Gott Flatschhof, here we are! Ein Bauernhof wie aus dem Bilderbuch. Waren die Kinder nicht sichtbar, fütterten sie gerade die Hühner, trugen die Kaninchen spazieren oder waren mit dem Hausherrn unterwegs zu den Kälbern. Zum Frühstück selbstgebackenes Brot, Marmelade aus den Erdbeeren des Gartens und Eier - handgesammelt natürlich. Kitschfilm, 2. Klappe.

 

Der perfekte Grill auf der perfekten Terrasse mit perfektem Wein bei perfektem Wetter in der perfekten Personenkonstellation. 3. Klappe....nein, stopp. Wahl des Grillguts - solala ... Grillweise... ähm... smoky. Aber wer braucht schon mehr als Brot, Wein und gute Freunde?

 

Ab diesem Tag stand für das abendliche Essen ein Auswärtstermin im Kalender. Aber was hätten wir ansonsten verpasst...?! Wer kann von sich sagen, einen Burger aus vor Ort geschlachteten Tieren mit selbstgebackenem Brot, hausgemachter Soße und Wein von Feld nebenan probiert zu haben? Bei dem Nachbarn Hofschank Niedermair wurden wir am dritten Tag als feste Abendgäste eingeplant. Davon konnte uns auch die Schafsgabe nicht abhalten - obwohl bis zum Ende nicht ganz klar war, ob tatsächlich ein Schnaps serviert wurde oder eine etwas zu flüssig geratene Handseife.

 

Kulinarisch hatte Südtirol also einiges zu bieten. Wichtige Grundlage für die Höhenmeter, die wir zurückgelegt haben. Zusammenfassend verdient die Urlaubswoche tatsächlich den Titel

"Aktivurlaub für die ganze Familie", auch wenn stellenweise Motivationsarbeit am Kind notwendig war. Um kleine "Aktivspitzen" für uns Eltern kümmerte sich Leyla von Zeit zu Zeit - am schönsten ist es eben doch von Mama den Berg hochgetragen zu werden.

 

Doch wir waren stolz. Unsere sonst eher bewegungsfaulen Kinder waren wie selbstverständlich Teil unserer kleinen Wandergruppe geworden. Auf dem Weg zur Seilbahn oder zu Mauerresten einer versteckten Ruine, auf der Suche nach wilden Erdbeeren oder versteckten Tieren wurde jede Tour zu einem echten Erlebnis - für Groß und Klein.

 

Über den Wolken - muss die Freiheit wohl grenzenlos sein... und wonach sehnt man sich mehr in Zeiten von Einschränkungen als ein kleines bisschen Freiheit und heile Welt? Südtirol nächstes Jahr kommen wir wieder - uns dann gleich zwei Wochen!

 

Weiter zu "Zwischen Himmel und See"